Wetterbesprechung zum Wochenende vom 15.03. – 17.03.2019

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    • #13459
      Snab_LE
      Moderator

      Hallo zusammen,

      Nachdem uns am vergangenen Wochenende das Tief EBERHARD den ein oder anderen Tipp mächtig verwehte, kam seitdem die Wetterlage nur wenig zur Ruhe. Im Gegenteil, zum heutigen Tag überquert uns mit dem Namen HEINZ bereits das 7. markante Tiefdruckgebiet der andauernden Westwetterlage seit 04. März. Es befand sich zum letzten Analysezeitpunkt um 06 UTC als Wellentief mit einem breiten Warmsektor vor der Ostküste Englands und zieht in den kommenden Stunden unter allmählicher Entwicklung eines abgeschlossenen Tiefdruckkerns in den Ostseeraum. Der Satellitenfilm des bisherigen Freitagvormittages zeigt vor allem die massive Warmluftzufuhr in den Süden Deutschlands anhand eines langestreckten Bandes hoher Schichtbewölkung auf der warmen Seite der Frontalzone, welches sich von Irland bis in den Alpenraum erstreckt. Weiter nördlich sind die hochreichenden Wolkenfelder über Dänemark auf der Vorderseite von Heinz sowie die Zone der stärksten Absinkbewegungen hinter der Kaltfront über der Nordsee deutlich zu erkennen. Südöstlich von Irland ist dagegen noch das alte Tief GEBHARD aktiv, welches dafür zuständig war, dass die Persistenz in den meisten Turnierstädten (abgesehen von Wien) mit den Werten eines Dauerregentages ins Rennen geht.


      <p style=”text-align: center;”>Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/sat/satellit-hd-5min.html</p>
      Vor allem durch die Warmluftadvektion haben im Süden Deutschlands und dem Alpenraum kräftige Niederschläge eingesetzt, die unter steigender Schneefallgrenze (schlussendlich bis knapp 2000m) den Tag über andauern. Verstärkt werden sie zeitweise durch die Passage kleinerer kurzwelliger Tröge in der aktiven und im Süden Abend allmählich antizyklonal gekrümmten Höhenströmung. Von der Kaltfront des Tiefs HEINZ kriegt dieser Bereich gar nichts mit. Sie schafft es mit ein paar Schauern gerade bis zur Mittelgebirgsschwelle und beginnt dort zu schleifen, was auch in den mitteldeutschen Gebirgen kräftiges Tauwetter zur Folge hat. Der zugehörige Trog beeinflusst dagegen ausschließlich das nördlichste Norddeutschland, sodass postfrontal schnell Ruhe einkehren sollte.

      Draußen auf dem Atlantik bringt sich dagegen das 8. Tief und unser Wochenendprotagonist namens IGOR in Stellung. Er ist die Folgeentwicklung eines kräftigen Kaltluftausbruchs, der in den vergangenen Stunden von der Labradorsee gen Atlantik erfolgte. Auf der Vorderseite des kaltluftgefüllten Höhentroges hat sich IGOR vor allem durch WLA und Divergenz im rechten Einzugsbereich des Jets allmählich zu einem Wellentief entwickelt, welches zum Samstag 00 UTC mit einem Kerndruck von 991 hPa vor der Küste Irlands liegt und sich mit jedem Stundenschritt um etwa 1-2 Hektopascal vertieft. Nach Passage der britischen Inseln erfährt das Tief im Laufe des Samstages über der Nordsee einen erneuten Entwicklungsschub und liegt gemäß ICON 06z schlussendlich in der Nacht zum Sonntag als teilokkludiertes Orkantief mit einem Kerndruck von 963 hPa vor Norwegens Südküste (siehe Sonntagskarte).

      Was bedeutet das für unsere Turnierstädte?

      Bereits in der Nacht zum Samstag greift auf der Vorderseite des neuen Höhentroges Warmluftadvektion wieder weiter nach Norden aus, sodass die schleifende Kaltfront als Warmfront rückläufig wird und Leipzig damit am Samstag wohl sowohl im Wv als auch im Wn eine 6 beschert. Abzüglich der üblichen Leeeffekte, die bei Strömung aus WSW diesmal gar nicht allzu stark in Erscheinung treten werden, kommen dabei sogar mal nennenswerte Mengen über 1 mm zusammen. Auch in der Berlin ist die langsam in die niedere Troposphäre vordringende Aufgleitinversion bereits am Vormittag deutlich zu erkennen. Davor ist die Schichtung unterhalb der Aufgleitinversion in 800hPa allerdings noch recht trocken, dagegen aber leicht labil mit Wolkentops bis -8°C, sodass ich einen kleinen Schauer am Vormittag für möglich, dennoch aber für eher unwahrscheinlich halte. Die MOSse bevorzugen dagegen eine Wv=6, was ich in Anbetracht der trockenen Schichtung nicht tippen würde.  Weiterhin lässt der Gradient in beiden Städten ein Fx um 25kn zu.

      Weiter im Süden übernimmt der Höhenkeil zusehends das Kommando, sodass es in der eingeflossenen, milden Luftmasse zusehends zu Absinkbewegungen kommt, die die Niederschläge in Zürich noch vor Start der WWs und in Innsbruck wohl am frühen  Vormittag (hier evtl. noch ne Wv=6) abklingen und zum Mittagstermin bereits nur noch lockere, hohe Bewölkung erwarten lassen . Wien wird dagegen wie Leipzig und Berlin auch, im Tagesverlauf von der Warmfront überquert. Mit Durchgang des Bodenkeils in den Abendstunden dreht dort die Strömung zusehends auf Südwest, sodass zur allgemein sehr milden Luftmasse (T850 am Samstagabend bis 10°C über den Alpen) auch langsam Südföhn in den Bergen einsetzt. Der wird aber eher ein Fall für den Sonntag. Auch ohne Föhn erreichen die Temperaturen in Innsbruck und Zürich aber schon mehr als 15°C (einige Mosse wollen die 20 in Innsbruck schon am Samstag), während in Leipzig und Berlin die 10°C wohl Tageshöchstwert bleiben werden.

      Im Laufe des Sonntages erreicht dann die Kaltfront des Orkantiefs unser Turnierspielgebiet. Zuvor verstärkt sich aber der Druckgradient zwischen Alpensüd- und Alpennordseite, was zu einer Intensivierung des Südföhns inbesondere in den Ostalpen führt. In der verdammt milden Luftmasse mit 700 hPa-Temperaturen um 0°C klettern die Temperaturen in 850hPa durch trockenadiabatisches Absinken auf der Leeseite gen 12-14°C, sodass wohl in den Föhnbereichen und an der Alpennordseite die Zwannies purzeln werden. Dies gilt auch für Innsbruck und Wien, während in Berlin und Leipzig doch eine etwas gemäßigtere Luftmasse nur Tageshöchstwerte von 15°C in Berlin und 17°C in Leipzig zulässt.
      <p style=”text-align: center;”>
      Föhndiagramm aus Druckdifferenz Bozen-Innsbruck</p>
      <p style=”text-align: center;”></p>
      <p style=”text-align: center;”>Föhniger und bodennah sehr stabiler Modell-TEMP für das Alpenvorland:
      </p>
      Zum Mittagstermin werden die Wolken der näherrückenden Kaltfront allerdings schon am Westhorizont in Berlin und Leipzig parat stehen, sodass der Bedeckungstipp wohl nicht ganz einfach wird. Für Innsbruck und Wien erwarte ich dagegen nur etwas Zirrus, da selbst für lentikulare Wolken die gesamte Troposphäre viel zu trocken ist. Mit der Kaltfront gibt es nachmittags in Berlin, Zürich und Leipzig auch etwas Niederschlag. Vorderseitig wird auch etwas Labilität simuliert, sodass man mit dem Gedanken an eine Wn = 8 statt Wn = 6 spielen kann. Für Innsbruck und Wien ist der Niederschlag dagegen nur für den RR-Tipp interessant, wobei in Wien bis Mo 06UTC kaum etwas ankommen sollte.

      Unmittelbar vorderseitig der Front verschärft sich auch der Gradient wieder, sodass ein Fx > 25kn für Leipzig, Berlin und Zürich drin sein sollte. Auch Innsbruck wird an der Kaltfront wohl mal kurz ein paar Böen mitbekommen. Und in Wien schaut der Sturm dann in der Nacht zu Montag vorbei, was natürlich immernoch für die Fx-Tipps vom Sonntag von Bedeutung ist.


      <p style=”text-align: center;”>24h-Böenmaximum So 00UTC – Mo 00UTC nach Super-HD 00z (Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/modellkarten/sui-hd/super-hd/windboeen-24std/20190318-0000z.html)</p>
      Zum Montag geht es dann mit Übergreifen des Höhentroges temperaturtechnisch wieder abwärts, wobei ich mir an der schleifenden Kaltfront einen Südstau in Kärnten erhoffe, der dem Skifahrerherz noch etwas Hoffnung auf ausreichend Schnee in der letzten Märzwoche übrig lässt. Oberhalb von 2000m liegt ja allgemein genug 😉

      Allen Tippern ein erfolgreiches Wochenende!

      Oscar

      • This topic was modified 3 years, 5 months ago by Snab_LE.
    • #13461
      Snab_LE
      Moderator

      Weil meine Bearbeitungsmöglichkeit leider abgelaufen ist und es mit der Animation oben ein kleines Problem gab, ist hier noch einmal der Link zum Bild: 

    • #13462
      Kaltlufttropfen
      Participant

      Vielen Dank für den Synoptischen Hochgenuß!

      Spannender Gruß in die Runde

      Michael

    • #13463
      Georg
      Keymaster

      Hallo Oscar,

      vielen Dank für das synoptische Meisterstück!

      In Innsbruck wird wohl die nass-kalte Vorgeschichte auf das Samstagswetter “abfärben”. Wv=4 hat für meine Begriffe hohes Potential. Der Sonntag wird wohl ein 20 Grad warmer Südföhntag. In der Nacht auf Montag habe ich 10 l/m² Niederschlag geplant, RR = -3 ist erkennbar falsch, da bitte ich um eine Korrektur. – Danke!

      Allen ein spannendes Turnierwochenende, viele Grüße,
      Georg

    • #13467
      Georg
      Keymaster

      Hallo die Runde,

      Wv=6 in Berlin! Das ist ein wenig unglücklich: EZ und Euro4 (gestern für heute trocken) haben gestern am besten zum 12Z-Satellitenbild gepasst, GFS (gestern für heute nass) sah da hingegen gar nicht passend aus, aber offenkundig war das nicht entscheidend. Schon mit den Wetterkarten von gestern Abend war zu befürchten, dass das Wochenende für die Wv=0-Tipper eine Pleite wird.

      Apropos Pleite: Interessant ist auch, wie schnell das Inntal heute abgetrocknet ist. Die Luft ist um 12Z so trocken, als hätte es ewig nicht geregnet.

      Tja, nun bleibt die Frage, was kann man daraus lernen?…

      Herzliche Grüße,
      Georg

    • #13468
      Kaltlufttropfen
      Participant

      Das war ne haarscharfe Sache heute in Berlin und wir Wv=0-Tipper haben verloren!
      Da gibt es nix zu beschönigen. Am morgigen Sonntag wird es wohl wieder ganz haarscharf, ich könnte mir
      auch eine Wv=6 in Tegel und eine 0 in Schönefeld vorstellen…

      Spannender Gruß in die Runde

      Michael

    • #13469
      nik
      Participant

      Vielen Dank für die schöne WB!

      In Wien sind der Warmfrontdurchgang am Freitagabend, der stürmische Westföhn über Nacht und der Kaltfrontdurchgang am Samstagmorgen noch halbwegs nach Plan gelaufen. Die nächste Warmfront hat sich am Nachmittag allerdings nicht mehr bodennah durchgesetzt, somit sind die Höchstwerte östlich des Wienerwalds wesentlich kühler als westlich davon ausgefallen. Der Wind um 12z war noch schwächer als erwartet, Schwechat hat zeitweise auch 990 gemeldet und ab 13z gab es schwachen Südwind. Hier der Verlauf an der Hohen Warte:

       

      Im Bereich der stationären Front gab es zudem  markante Regenmengen. Die Mühl in Oberösterreich hat sogar die HW-30-Marke überschritten, lokale Uberfltungen waren die Folge (Hochwasser gibt es auch an manchen Flüssen in Bayern).

      http://hydro.ooe.gv.at/#3350

      https://ooe.orf.at/m/news/stories/2970452/

    • #13471
      Bibertaler
      Moderator

      Servus zusammen,

      vielen Dank Oscar für deine super WB an diesem spannenden Wochenende – da ist nicht nur stellenweise einiges runter gekommen, auch temperaturtechnisch wars spannend. Während es in Wien etwas kälter geblieben ist, hat sich in Innsbruck scheinbar jemand zu lange geföhnt – ich tippe auf jemand aus Steinach am Brenner. Jedenfalls ist es mit 21,1 Grad an der Uni doch deutlich wärmer als von vielen getippt. Grund hierfür ist erstmal seichter Südföhn aus dem Wipptal. Denn während in IBK Südwind an der Uni ankommt und auch Steinach und Ellbögen auf Süd stehen, bleibt der Patscherkofel auf West und auch der Sattelberg passt mit seiner Richtung nicht immer ins Bild für hochreichenden Föhn. Gegen 15 UTC – um das heutige Tmax herum – dreht die Strömung dann von Süd kurz auf West.  Dabei mischt sich noch wärmere Luft nach unten durch und der Taupunkt geht auf unter- 7 Grad zurück, zudem geht eine turnierrelevante Böe über die Station. Mittlerweile hat sich der Föhn wieder ins Wipptal zurückgezogen. Verglichen mit dem gestrigen Tag war das ingesamt schon ein enormer Kontrast. Mal schauen, was uns der Sonntag bringt.

      Mit dem bald wieder durchkommenden Südföhn sollte der Westwind als vorföhniger Westwind die Abkühlung bremsen. Und viel Sonnenschein sollte es der Föhn bis 12UTC schon bis ins Inntal schaffen, diesesmal aber hochreichender als der heute Fall. Jedenfalls wird es wieder frühlingshaft warm, bevor dann am Abend (nach 18UTC vermutlich) die Front in die Alpen prescht. Die genaue Zahl sehe wir dann morgen Abend. Bis dahin viele Grüße und einen schönen Sonntag euch allen.


      Grafik Uni Messstation, Donnerstag 22:10 UTC bis Samstag 22:10 UTC (Quelle Ertel2.uibk.ac.at, ACINN Uni Innsbruck)

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