WB zum Monatswechsel 31.01. – 02.02.2020 – 2.Versuch

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    • #14538
      Bibertaler
      Moderator

      Hallo zusammen [von Snab_LE – Anmerkung des Editierers 😉 ],

      ich hatte heute kurz überlegt, die Wetterbesprechung zum ersten Februarwochenende aus dem Gartenhäuschen zu schreiben. Die Wetterstation am Leipziger Insitut für Meteorologie meldet aktuell 13,3°C bei einem nicht weniger milden Taupunkt von 6,5°C, dazu scheint zeitweise die Sonne und vor dem Mensagebäude steht die erste Wiese voller Krokussen. Kurz gesagt, die WB könnte auch vom Monatswechsel März/April stammen und nicht mitten aus dem Hochwinter. Immerhin haben in den letzten Tagen die Lagen über 1000m in Alpen ein wenig vom Winterkuchen abbekommen. Bis zu 50cm Neuschnee fielen vom Wallis bis nach Tirol, im Mont Blanc-Massiv sogar über 1m. Weiter brachte die gut durchmischte Luftmasse aber einen deutschlandweit 3,8K zu warmen Januar zu Ende. Dass er sich nicht ganz oben bei den wärmsten Januaren einreiht, liegt einzig an der Überhand der Hochdruck-und Inversionswetterlagen, die letzlich sogar einige zu kühle, allerdings natürlich völlig schneefreie Tage brachten. Der Blick auf die Tagesmittel in Leipzig-Holzhausen zeigt aber, dass selbst diese Tage nur wenige Zehntel unter dem langjährigen Mittel lagen und zwischendrin durch kräftige Südwestlagen mit Temperaturen in Tagesrekordnähe abgelöst wurden. Heute liegt das Tagesmittel im Übrigen bisher bei 11,2°C…:

      Datengrundlage: DWD open data

       

      Aber nicht nur zu warm war der Januar, sondern abgesehen von wenigen Glücklichen in der Mitte und dem Norden Deutschlands auch viel zu trocken und fernab der Täler und Nordsee auch deutlich zu sonnig. Für Österreich zeigt sich im Übrigen ein ähnliches Bild: Je höher in den Bergen, desto stärker die postitive Abweichung zum Klimamittel. Über der Inversion und nach den Schneefällen zu Weihnachten brachte der Januar immerhin Kaiserwetter für die Skifahrer.


      Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/sat/satellit-hd-15min.html

      Und der Februar möchte so weiter machen, wie der Januar heute aufhört. Der aktuelle Satellitenfilm zeigt Mitteleuropa auf der Vorderseite eines Hochdruckkeils in der Großwetterlage Wa. Westlich wird reichlich Warmluft in die höhere Troposphäre transportiert, die im Keil wieder absinkt und sich dabei kräftig erwärmt. So messen die 12z-Sonden im Westen Deutschlands über der Absinkinversion bis zu 9°C. Unterhalb befindet sich eine etwas kühlere Nordseeluftmasse, die rückseitig eines Tiefs über der Ostsee eingeflossen ist. Entsprechend wird das Wolkenbild von einer Kombination aus Cirrostratus entlang der höhertroposphärischen WLA und Stratocumulus in allen möglichen Formen (v.a. Wellen)  unterhalb der Inversion dominiert. Im Nordosten Deutschlands ist die Feuchte hoch genug, um etwas Nieselregen aus dem Stratocumulus auszulösen, sonst ist es aber trocken und unheimlich mild. Die wärmste Turnierstadt ist aktuell Wien mit rund 15°C.

       

      Quelle: MIUB Bonn

       

      Im Gegensatz zum Großteil des Januars hat der Hochdruck diesmal aber nicht lange Bestand. Schon in der Nacht verschiebt sich die Achse des Keils über Deutschland hinweg nach Osten und wir geraten mehr und mehr in den Einfluss des Tiefs NAIMA. Dessen Warmfront ist ganz unspektakulär im Hochdruck versteckt und hat Osten des Turniergebiets bis heute 18UTC überquert. Interessanter gestaltet sich da schon die Kaltfront des Tiefs, die sich in der 2. Nachthälfte von Westen her zu uns schiebt und bis zum Samstagmittag Berlin und Leipzig erreicht. Im rechten Einzugsbereich eines Jetstreaks herrscht höhertroposphärisch kräftige Divergenz, aus der Druckfall und Hebung resultiert. Damit sind die 6er Wv und Mittagswerte aus dem Frontbereich in beiden Städten als sicher anzusehen. Interessanter ist es da schon in Zürich, da hier die Aufgleitniederschläge vor der Front wohl um den 12UTC-Termin die Stadt erreichen sollen. Innsbruck und Wien liegen dagegen zunächst noch zu hochdrucknah und so gestaltet sich das Wetter dort weiterhin freundlich und mit 11°C in Innsbruck bzw. 15°C in Wien sehr mild. Auch in den anderen Turnierstädten werden erneut zweistellige Höchstwerte erreicht, da selbst rückseitig des Niederschlagsbandes die Luftmasse nicht wirklich kalt ist (T850hPa  bei 2-4°C), aber mit einigen Böen über 25kn kräftig durchmischt wird.

      Quelle: MIUB Bonn

       

      Erst zum frühen Abend erreicht ein Trog mit etwas höhenkälterer Luft (T500hPa bis -29°C) die nördlichen Turnierstädte. Die hochaufgelösten Modelle reagieren in Berlin und Leipzig schon mit einigen Schauern im Wn-relevanten Zeitbereich. Die Lage zum Jet, Leeeffekte und der späte Trogdurchgang sprechen in meinen Augen aber dagegen. Interessanter wird es da schon an den Alpen. Hier dreht die Strömung doch mehr und mehr auf Westnordwest, wodurch entlang und hinter der Kaltfront es doch zu teils kräftigen Schauern kommen kann. Die Schneefallgrenze liegt dennoch mit 1700m ziemlich hoch.

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      Quelle: MIUB Bonn

       

      Mit der Kaltfront kehrt dann auch für einen kurzen Moment Druckanstieg ins Turniergebiet ein. Der währt aber nicht lange. Während die Höhenwetterkarten von Westen her einen Keil übergreifen lassen, ist das Potentialmaximum beim genauen Hinschauen aber einer extrem warmen Luftmasse in der unteren Troposphäre geschuldet. Theta-E-Werte über 40°C in 850hPa und Schneefallgrenzen um 2500m, die da im Laufe des Sonntages in den Westalpenraum geschoben werden, sind mitten im Hochwinter schon ein Brett, dass man nicht alle Tage sieht. Das Übergreifen der Warmluft erfolgt in einem deutlich erkennbaren Druckminimum am Boden, wobei die zuständige Divergenz diesmal eher in der mittleren Troposphäre zu finden ist. Ein flaches Wellentief eben. Die Niederschläge entlang der Warmfront erreichen gemäß ICON Zürich in den frühen Vormittagsstunden, Innsbruck dann bis zum Mittag und Leipzig bzw. Wien bis zum Ende des Nachmittagszeitraumes. Dementsprechend würde der Warmsektor in Leipzig auch nur noch für die Fx (Böen bis 35kn) relevant. Allerdings sieht EZ ein deutlich rascheres und deutlich kräftigeres Übergreifen mit Niederschlägen in Leipzig und Wien schon gegen 12UTC. Demnach müsste auch Berlin noch Niederschläge am Nachmittag erwarten. Auch wenn EZ damit derzeit ziemlich alleine dasteht, wird es dabei aber immerhin vom eigenen Ensemble ganz gut unterstützt. In Berlin sollte man im Übrigen vormittags die Reste der Kaltluft nicht vergessen, die für ein paar Schauer reichen können.

       

      Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/modellkarten/rapid-euro/deutschland/niederschlagssumme/20200203-0600z.html

       

      Und wie geht es dann weiter. Tatsächlich soll die intensive Westlage zur Wochenmitte kurzzeitig in eine Nordwest-Nordlage übergehen, mit der auch bis in tiefe Lage kurzzeitig Flocken möglich sind und in den Alpen hoffentlich der Schneeverlust wieder aufgebaut wird. Sollte es dort wieder zu intensiven Schneefällen kommen, ist sicher die Lawinensituation erneut recht angespannt. Nach einem unterdurchschnittlichen Feburar sieht das aber alles nicht aus:

       

      Allen Spielern ein erfolgreiches Turnier!
      Oscar

      • This topic was modified 2 years, 5 months ago by Bibertaler.
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    • #14541
      Mammatuscloud
      Moderator

      Danke Oscar,
      für die interresante WB zu einem stürmischen Wochende.
      Auch eine sehr schöne Grafik über Statistik von Leipzig-Holzhausen!

      Allen ein schönes WE
      Mammatus95

      Ps.: UND nicht vergessen noch für den Synoptiker 2019 abzustimmen.

    • #14544
      Kaltlufttropfen
      Participant

      Vielen dank für die Weltklasse-WB, Oscar!!!

      Gruß in die Runde

      Michael

    • #14577
      Wolkenteiler
      Participant

      Mal eine Bitte bzgl. meines Leipzig Tipps, ich habe bei der Windrichtung am Samstag 320° statt 230° geschrieben. Dabei handelt es sich offensichtlich um einen Zahlendreher. Wäre schön, wenn das noch geändert werden könnte. 🙂

       

      Vielen Dank!

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