Nachtrag Starkschneefall in den Südostalpen 4. bis 7.Dezember 2020

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      Bibertaler
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      Servus zusammen,

      Zweiter Advent 2020 – ein Sonderjahr geht in die Zielgeraden, die Arktis ist mal wieder recht eisarm, Waldbrände auf allen Kontinenten, Hitzewellen, Hurricane in Rekordzahl, von unser aller Leid mal ganz zu schweigen; man hat sich schon fast an die Extrema gewöhnt, was jetzt nicht unbedingt eine gute Sache ist. Extreme, an die man sich definitiv nicht gewöhnen sollte, sind die, die eben im südlichen Alpenraum stattgefunden haben – vorausgesetzt, man hat etwas gegen die weiße Pracht von oben, die Fred in seiner WB schon vorhergesagt hat. Erst wollte ich diese Übersicht als weiteren Kommentar unter seine WB schreiben, aber für künftige Recherchen ist es glaube ich einfacher zum Wiederfinden, wenn es ein eigener Beitrag. Zurück zum Wetter – wie ein Studienkollege in Osttirol schrieb: „das ist derselbe Mist wie letztes Jahr“ 😊

      Ausgangslage
      Zwischen einem stark ausgeprägten Trog über Westeuropa mit Tief Wenke und einem Keil inklusive Hoch Xavier von Südosteuropa bis nach Russland mit Bodendruck von nahe 1050 hPa kommt es zum Ende der KW 49 zu einer meridionalen Strömung mit einem Jet von Nordafrika über die Alpen bis Skandinavien. Das zwingt feuchte Luft vom Mittelmeerraum sich an den Alpen zu stauen, wo sie wie in einer Zitronenpresse bis auf die Kerne ausgepresst wird. An den südlichen Ausläufern der bis zum Sonntagmorgen zweizentrigen Wenke hat sich dank der Westalpenumströmung der Kaltluft ein neues Tief gebildet, das man zurecht als Genuatief bezeichnen kann und auf den Namen Xunav hört. Die Lage der Luftmassengrenze fördert langanhaltende Niederschläge in den Südalpen, vor allem aber vom Ortlermassiv über die Dolomiten bis in die Hohen Tauern und die Karnischen Alpen.


      Bodendruck und Fronten für Sonntag 0UTC [wetterpate.de, FU-Berlin, DWD]


      UBIMET-Vorhersage an zu erwartenden Neuschneemengen von Freitagabend bis Sonntagabend für Österreich, so in der TT und in Sozialen Medien erschienen. Link leider nicht mehr erreichbar.

      Ablauf
      Naja, Südstau eben … oder sehr umgangsprachlich es schifft aus Kübeln bzw. es schneit, was runter kommen kann. Angefangen hat es mit der Südströmung bereits am Donnerstag. Am Patscherkofel dreht der Wind wieder auf Süd und legt ziemlich rasch zu. Um Innsbruck herum dämpft der Vorföhnig West in der ersten Nachthälfte eine weitere Abkühlung, es bleibt aber frostig, ehe der Tag mit einigen beeindruckenden Lentikularis beginnt. Aufgrund der starken Südströmung reicht die ziemlich diffuse Föhnmauer bis weit über den Alpenhauptkamm. Die Serles ist nahezu den ganzen Tag nicht erkennbar und auch der Patscherkofel ist immer wieder komplett in Wolken und es flockt zudem in regelmäßigen Abständen aus Süden – und vor allem waagrecht und nicht von oben. Bei Böen von gemessenen 140 km/h an der TAWES am Gipfel (ZAMG) kann man locker von Föhnorkan sprechen. Eine eigene Handmessung in näherer Umgebung zur Station ergab sogar 156 km/h bei einem Windchill von um -23°C. Kurz, es war ziemlich windig und ar…kalt – siehe Bilder unten.

      Zum Sonnenuntergang am Freitag hin beginnt das Spektakel von Westen her langsam in die nächste Runde zu wechseln und die ersten Niederschläge setzen ein. Die Stationen in Osttirol in Kärnten folgen dann in den ersten Nachtstunden. Während es in Nordtirol nur bis knapp um die 1000m herum herunter schneit, schneit es in Süd- und Osttirol bereits bis in die noch frostigen Täler hinunter und das bis zum kommenden Samstag. Im auf 673 m üNN. gelegenen Osttiroler Lienz und Umgebung kommen die ersten 50-60mm daher direkt als Schnee herunter, erst locker, im Verlauf aber immer feuchter, sodass sich die Schneedecke zu setzen beginnt. Am Lienzer Hauptplatz werden in Anbetracht der Prognosen die überhäuften und heuer leider nicht mehr benötigten Adventsmarktstandln am Samstagvormittag abgeräumt. Die Bäume im Hintergrund zeigen aber, dass die Belastung immens ist. Auch in Nordtirol schlägt es weiter nieder, wenn auch weniger kräftig. Bei deutlichen Plusgraden bleibt dieser Schlag zumindest im Inntal noch flüssig. Das ändert sich aber kurz vor Samstagmittag. Mit Winddrehung von West auf überwiegend Ost fließt kalte Luft ein und die Niederschlagsrate steigt im Vergleich zum Vormittag an, was die Flocken mit Niederschlagsabkühlung bis ins Inntal treibt. Bei diesen Verhältnissen wundert es keinen, wenn bei den Massentest auch in Innsbruck kein Anstehen notwendig ist. Die, die es für Quatsch halten, gehen eh nicht hin, und die anderen waren schon am Freitag oder gehen bei so einem Wetter nicht mehr vor die Türe. Bis zum Abend mischen sich Schneefall und Regen im Inntal, in Obertiliach in Osttirol (dort sind die Massentests vorsorglich auf Dienstag verschoben worden) fielen bisher um die 100 mm bei Werten unter oder knapp um 0°C; es ist anzunehmen, dass die Schneedecke mit dem nassen Schnee oben auf ordentlich komprimiert wurde. Auch im Defereggental sind wir bei über 100 mm Schneefall. Anzumerken ist, dass die Niederschlagsrate untertags etwas schwächer war als in der Nacht zuvor.

      GFS Geopotential+Isotachen auf 300 hPa (links oben), ThetaE+Niederschlag (rechts oben), Bodendruck und Wind (links unten), Temperatur auf 800 hPa (rechts unten)
      für Samstag 5.12.2020 15UTC (links) und für Sonntag 6.12.2020 0UTC [ertel2.uibk.ac.at, ACINN, UIBK]. Während das Tiefzentrum über Frankreich am Boden und in der Höhe etwa an selber Stelle steht, ist das Genuatief in der Höhe nach Westen verschoben, was für eine weitere Tiefentwicklung spricht.

      In der Nacht auf Sonntag verlagert sich die Luftmassengrenze kaum, allerdings erwärmen sich die untersten Luftschichten um wenige Grad. In den Osttiroler Tälern geht der Schnee bereits in der ersten Nachthälfte in Regen über, was die Schneelast noch höher werden lässt. Im weiteren Nachtverlauf regnet es immer weiter hinauf. Am Radiosonenaufstieg von Innsbruck am Sonntag um 3 UTC sieht man, dass die Nullgradgrenze wieder auf nahe 800 hPa zum liegen kommt, im Vergleich zu um etwa 850 hPa am Samstag. Ein Blick zur kurzzeitig freien Nordkette am SOnntagmorgen lässt erahnen, dass es wohl bis nahe 1900m hineingeregnet hat oder zumindest feuchter Schnee gefallen ist, sodass die Last zu schwer wurde. Die normalerweise nach Schneefällen weißen Latschen waren am Sonntagmorgen bereits schneefrei und damit deutlich zu erkennen. An der Uni Innsbruck schüttete es nachts zwischen 21 und 23Z mit Niederschlagsraten von bis zu 12 mm/h bei inversem Temperaturverlauf. Bei solchen Mengen hält sich kein Schnee auf den Bäumen. Zurück zur Erwärmung in den unteren Tallagen, Stationen wie Tassenbach bei Sillian auf 1070m oder Obertiliach auf 1400 m ziehen da vor und als Folge davon zeigt sich eine deutliche Senke bei der Schneehöhenmessung in der zweiten Nachthälfte. Um ein paar Stunden verzögert kommen auch Stationen im Westen Nordtirols nach wie die Magdeburger Hütte auf 1664m am Hechenberg (westlich von IBK) nach. In Sölden im Ötztal verstopfte der Schnee die Kanaldeckel, sodass die nachfolgenden mind. 50mm Regen kaum abfließen konnte und die Feuerwehren dort mit Überflutungen zu kämpfen hatten. Die Seegrube auf etwas über 1900 bleibt wohl knapp kalt genug für weitere Akkumulation. In Südtirol scheint diese Erwärmung nicht so angekommen zu sein oder reicht nicht soweit hinauf. Die dortigen Bergstationen im Westen verzeichnen am Sonntag nur geringe Neuschneemengen, vielleicht eine Kombination aus gravitativer Setzung und neuem Neuschnee, in den höheren Lagen im Osten und Norden akkumuliert es derweil munter weiter bzw. es schifft weiter.

       

      Lawinenberichtsübersicht für Sonntag 6.12.20, weiter Teile der Tiroler Alpenwelt mit Stufe 4 von 5, in Osttirol, Teilen der Dolomiten und auch Westkärnten mit Stufe 5 mit einer genaue Auflistung, mit was gerechnet werden muss [lawine.report]


      Noch zu erwartender Neuschnee – Schneevorhersage von Sonntag bis Montag 7MEZ [https://www.bergfex.at/oesterreich/wetter/schneevorhersage/; Daten von der ZAMG] mit zugehöriger Skala

       

      Die Gesamtlage haben auch die regionalen Lawinenwarndienste in Wachsamkeit versetzt. In der Euregioregion Trentino-Südtirol-Tirol herrscht den Experten nach eine hohe Lawinenwarnsituation, In Osttirol, Westkärnten und Teilen der Dolomiten wird gleich der erste Lawinen-5er ausgegeben, bei dem spontan große Lawinen abgehen können. Explizit wird dabei mit mächtigen Schneebrettern gerechnet, aufgrund der durchfeuchteten Schneedecke auch mit Gleitschneelawinen unterhalb von 2600m. Oberhalb der Waldgrenze sind zudem Schwachschichten vorhanden, die weitere Schneebretter auslösen können. Dass diese Einschätzung richtig war, zeigen bereits erste Lawinenabgänge im Defereggental und Prägraten (siehe weiße Sterne in der Übersicht). Diese drangen bis in Ortschaften ein und verursachten zum Glück bisher nur Sachschäden. Weitere  Abgänge abseits von Ortschaften werden Erkundungen am Montag bringen. Der Regen oder nasse Schnee spielt dabei eine entscheidende Rolle. Durch das Gewicht können sich zwar Lawinen lösen, die Schäden sind aber verglichen mit Staublawinen meist geringer. Und eben diese Staublawinen werden durch diese Zusatzfeuchte und die damit verbundene Setzung erschwert oder sogar unterbunden. Quasi ein dunkelblaues Auge, auch wenn das Ergebnis trotzdem eine angespannte Lage bleibt.

       


      ZAMG mit hochaufgelöstem INCA (wurde während des Extremereignisses öffentlich zur Verfügung gestellt) mit Gesamtschneehöhe für Sonntag 11MEZ [zamg.ac.at]; zusätzlich sind markante Gebirsgruppen eingefügt sowie Buchstaben, an denen es Stationen gibt (siehe Stationsgrafiken am Ende des Beitrages). Daneben gibt es noch Markierungen für Ereignisse, die in der Tiroler Tageszeitung aufgelistet. weißer Kreis mit rotem Rand = Straßensperre/Bahneinschränkungen; Weißer Stern = gemeldeter Lawinenabgang mit Gebäudeschäden, brauner Stern mit weißem Rand = Schlammlawinen/Hangrutschungen/Straßenverschiebungen, blauer Stern mit weißem Rand = Überflutungen … diese sind nur das, was in der TT gemeldet wurde, gibt sicher mehrere solcher Fälle. Links zu den Artikeln:
      https://www.tt.com/artikel/30766028/muren-und-stromchaos-in-nordtirol-hohe-lawinengefahr-in-osttirol?slide-id=1
      https://www.tt.com/artikel/17622258/schnee-hat-osttirol-fest-im-griff-es-ist-einfach-zu-gefaehrlich

       

      Auch in anderen Regionen gibt es Abgänge, so meldete die Tiroler Tageszeitung etliche Hangrutschungen oder Schlammlawinen im Wipptal und auch um Lienz herum. Das ist natürlich nur eine subjektive Meldung, sicherlich gibt es noch etliche weitere, aber das sind die von der TT öffentlich gemeldeten Fälle. Des Weiteren werden die Erwartungen bezüglich Strom- und Kommunikationsausfälle bestätigt. In etlichen Gemeinden entlang des Hauptkammes fällt zeitweise der Strom aus und auch das Handy- und Telefonnetz liegt am Boden. Aufgrund der Lawinenwarnstufe, etlicher umgefallener Bäume und leider auch einzelnen Vollkoffern mit Sommerreifen kommt es zu zahlreichen Straßensperren und auch der Schienenverkehr wird stellenweise eingeschränkt oder eingestellt. Bis Sonntagvormittag erreicht die Schneehöhe in den höheren Lagen verbreitet Werte über 150cm. In den vergletscherten Hochlagen sogar über 400cm und auch die Tallagen bekommen ordentlich ab, höhere Täler wie das Defereggen-, Virgen- und Lesachtal erreichen locker über 100cm, das Puster-und Iseltal kommen örtlich ebenfalls in diese Höhe, aufgrund der meist niedrigeren Meereshöhe setzt sich der Schnee aber schneller oder schmilzt/verregnet zu einer nassen und schweren Schneepampe.


      GFS Geopotential+Isotachen auf 300 hPa (links oben), ThetaE+Niederschlag (rechts oben), Bodendruck und Wind (links unten), Temperatur auf 800 hPa (rechts unten)
      für Sonntag 6.12.2020 18UTC [ertel2.uibk.ac.at, ACINN, UIBK]

      Im Laufe des Sonntages dreht sich der Jet etwas mehr in eine südöstliche Komponente, womit sich die Anströmung und der Stauniederschlag mehr auf Osttirol und Kärnten konzentriert. Nach einem örtlich kurzen Abschwächen der Niederschläge um die Mittagszeit herum geht die letzte Phase dieses Schneeevents los. Die Temperaturen sinken wieder und der Regen/nasse Schnee geht in starken Schneefall über. Auch im tief liegenden Lienz reicht es für weitere Zentimeter. Von Sonntagmittag bis in die zweite Nachthälfte am Montag kommen so weitere 70 mm Niederschlag dazu, was zu 20 bis 40 cm neuem Schnee führt – inklusive Setzung. In den Hochlagen oft auch um 60cm. In der Nacht auf Montag lockert es dann vielerorts auf. Es kühlt rasch um einige Grad ab und am Morgen schaffen es sogar ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolken hindurch, womit ein bemerkenswertes Südstauevent zu Ende geht – das nächste ist jedoch schon in Anmarsch; Ankunft Wochenmitte und deutlich schwächer.

       

      Die Bilanz kann sich sehen lassen. Da es zuvor kaum Schnee gab oder maximal 10 bis 40cm, kann man die aktuellen Schneehöhen oftmals als gesamte Neuschneemenge hernehmen. Hier einmal eine Auflistung der gemessenen aktuellen Schneehöhe an ausgewählten Messstationen, entnommen von https://lawis.at/station/ und http://wetter.provinz.bz.it/hoehenwindstationen.asp – Stand Montag 7.12.2020 11UTC:

      Nordtirol
      Sölden Rettenbachferner/Ötztal                        2970 m     248 cm
      Obergurgl/Ötztal                                                       1936 m    144 cm
      Dresdener Hütte Stubai                                          2290 m     176 cm
      Axamer Lizum                                                               2103 m     130 cm
      Milders Neustift Stubai                                            1004 m       44 cm
      Magedburger Hütte/Hechenberg bei IBK    1646 m       66 cm
      Brennerpass                                                                  1369 m       86 cm
      Seegrube 1921m 93cm bzw. Hafelekar         2270 m      117 cm
      Hintertux-Zillertal                                                     1501 m        81 cm

      Osttirol
      Eselrücken Virgental                                                2450 m      142 cm
      Prägraten am Großvenediger/Virgental       1350 m      182 cm
      Oberhausalm Defereggen                                    1740 m      153 cm
      St Veit Defereggen                                                    2630 m      155 cm
      Kals am Großglockner-Figol                               1743 m      112 cm
      Tassenbach Pustertal                                              1074 m     116 cm
      Sillian                                                                              1078 m     leider keine Schneemessung, dafür aber um 300 mm Niederschlag in 54 h
      Thurntaler Pustertal                                             2193 m     202 cm
      Obertiliach Lesachtal                                           1400 m      147 cm
      Porzehütte Lesachtal                                            1935 m      221 cm
      Glatzbach                                                                    2600 m    162 cm
      Zettersfeld bei Lienz                                              1903 m    179 cm

      Kärnten
      Nassfeld                                                                 1607 m       93 cm
      Goldeck                                                                  1910 m     102 cm
      Heiligenblut                                                         1996 m     195 cm
      Mölltaler Gletscher                                           2321 m     305 mm fester Niederschlag in 66h

      Südtirol (It)
      Prags Rossalm                                                     2340 m   142 cm
      Sexten Rotwandwiesen                                   1910 m     182 cm
      Abtei Piz La Ila                                                    2050 m   171 cm
      Timmelsalm                                                          2230 m   169 cm

      Es gibt auf Youtube inzwischen einige Videoaufnahmen aus verschiedenen Orten in Osttirol, die die dortigen Massen und damit auftretenden Probleme und Aufräumarbeiten zeigen. Sind auf alle Fälle sehenswert:

      Schneechaos in Osttirol:    https://www.youtube.com/watch?v=i6ZOYxY5jdE
      Freiwillige Feuerwehr Lienz schöpft Dach der Liebburg ab:   https://www.youtube.com/watch?v=EqkuEOgG5zQ
      Lienz schaufelt – humorvoller Beitrag:   https://www.youtube.com/watch?v=NM4PBz9dD5U&t=16s
      Weitere werden sicher folgen, aber für hier soll das reichen…

      Zum Abschluss kommen hier noch einige Stationsdaten und bildliche Eindrücke. Vielen, vielen Dank an Maik Brakemeier für die Fotos aus dem Virgental bzw. Prägraten am Großvenediger, die er mir für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt hat. Vielen Dank auch den Webcams von foto-webcam.eu und auf bergfex.at für die Eindrücke in Lienz, am Patscherkofel, in Innsbruck (Uni-Ost) und auf der Seegrube. Viel Vergnügen beim Nachschauen. Bleibt’s gsund und feine Zeit euch allen.

      Viele Wintergrüße aus den weißen Alpen
      Bibertaler

       

       

       

      Stationsdaten von Innsbruck und vielen anderen Stationen zur Archivierung
      Zunächst einmal unsere Turnierstadt IBK


      Stationsverlauf der Uni Innsburck [http://ertel2.uibk.ac.at:8080/ertel/data/pngs/lightningmaps/entrance.png] mit Samstag auf der linken Seite, startend mit der Föhnphase am Freitag bis in den Sonntagmorgen. Beginn des Schneefalls gegen Samstagmittag, als die Temperatur mit aus Osten heranziehender Kaltluft sinkt. In der Nacht auf Sonntag steigen mit dem Ostwind  die Termperaturen wieder an, der Schnee geht bis nahe 1900m in Regen über. Gleichzeitig ist hier der Schwerpunkt der Niederschläge mit 12mm/h im Maximum. Am Sonntag dann (rechts, Achtung wegen geänderter Yachsenskalierung) kommt es zu Luftmassenwechseln über der Stadt. Mit Ostwind wird warme Luft herangeführt, die dann auch die Tmax liefert, mit Westwind kommt deutlich kühlere Luft in die Stadt. In der Nacht geht dann entgültig die Kaltfront durch; die Temperatur sinkt nochmals auf nahe 0 Grad ab, der West nimmt vorübergehend zu und der Druck steigt rapide. Die hier fallenden Niederschläge sorgen für eine dünne Schneeschicht in der Stadt.


      LIDAR der Uni Innsbruck [http://ertel2.uibk.ac.at:8080/lidar/?lang=de], von Samstagmorgen 8UTC bis Montag 9UTC. Gut zu erkennen ist der Südwind in der oberen Talatmosphäre, ebenso die Winddrehung mit denen am Samstag der Schneefall beginnt (Reflektivität wird maximal am Talboden), das hochreichende Einfließen, mit dem die Erwärmung einhergeht und die wieder sinkende Schneefallgrenze am Sonntagnachmittag bis zum Frontdurchgang und 3h stärkerem Westwind.


      Soundings am Flughafen Innsbruck von Samstag (lila), Sonntag (blau) und Montag (braun) [http://ertel2.uibk.ac.at:8080/raso/?lang=de]. Oberhalb von 700 hPa ungehindert Südwind, darunter am Samstag und Sonntag eher Ost, am Montag West. Auch interessant ist die Erwärmung oberhalb von 850 hPa am Sonntag im Vergleich zu Samstag um 1-2 Grad. Am Montag dann deutloch trockener bei auflösenden Wolken, aber auch deutlich kälter bis 350 hPa.


      Stationsverlauf am Flughafen Innsbruck [lawis.at]. Im Grunde sind die Punkte hier dieselben wie an der Uni. mit längerem Zeitintervall ist die Föhnperiode am Freitag besser sichtbar. Auch die Niederschlagsmenge ist hier besser dargestellt mit knapp 100 mm. Normal sind im Dezember lediglich 49mm, daher 200% für diesen Monat.

       

       

      Und nun weitere Stationen vor allem mit Blick auf die Österreichischen Stationen, auch wenn Südtirol ebenfall stark getroffen wurde.
      Wenn keine eigene Quelle dabei steht, sind die Grafiken Screenshots entnommen von lawis.at

       

      Raum Innsbruck –  Stationen B, C und D
      Magdeburger Hütte am Hechenberg 1646 m (B), Seegrube an der Nordkette bei IBK 1921 m (C), “Südföhnkönig” Patscherkofel 2247 m (D)

       

      Alpenhauptkamm Nordtirol (Ötztaler bis Tuxer Alpen) – O, P, A, E, F
      Martin-Busch-Hütte 2470 m (O) im Niedertal/hinteres Venttal, Sölden im Ötztal 1488 m (P), Dresdener Hütte am Stubaier Gletscher 2290 m (A), Gries am Brenner 1369 m (E) und Hintertux im Zillertal 1501 m (F)

       
              

       

      Osttirol – Großvenediger/Prägraten G   – Schneehöhengrafik von    https://wetter.unterwurzacher.at/meteo/indexDesktop.php
      Gute 200 mm Niederschlag, etwa 120 cm Schneedecke, deutlich erkennbar ist die Senke in der Nacht auf Sonntag, in der es in den Neuschnee bei leichten Plusgraden kräftig hineingeregnet hat, im Tagesverlauf wieder etwas kälter und weitere Akkumulation. Von hier stammen die Bilder, die weiter unten noch zu sehen sind (Fotograph Maik Brakemeier)

       

      Osttirol – Defereggental H
      St. Jakob, westliches Defereggen, 1381 m und Hopfgarten im Osten 1096 m. Niederschläge von rund 200 mm, Schlammlawinenabgang rund um Hopfgarten wegen des starken Regens bei leicht positiven Temperaturen in der Nacht zum 6.12.

       

      Osttirol – östliches Pustertal I, J
      Thurntaler und Sillianberger Alm (I) auf 2193m bzw. 1985m nordwestlich von Sillian sowie Tassenbach östlich von Sillian auf 1074 m (J), eine Talstation mit Schneemessung. Auch hier die Senke wegen des Regens erkennbar, die beiden Bergstationen akkumulieren aber munter weiter zu überragenden 200 cm. Die Niederschalgsmenge liegt hier im Stau bei über 300mm, Tassenbach im Lee weniger, aber dennoch rund 150 mm.



      Osttirol/Kärnten – Lesachtal und Karnische Alpen K, N
      Obertilliach 1400 m (K), Plöckenpass 1363 m und Mauthner Alm 1765 m (N) – 170 mm in Obertilliach mit ebenfalls regenreicher Sonntagsnacht und am Ende 146 cm im Tal.
      Bei der Mauthneralm gibt es zudem auch Schneeoberflächentemperaturmessungen, welche in der Nacht auf Sonntag positiv sind – ein weiteres Indiz, dass da Regen wahrscheinlich ist. Die Lufttemperatur stützt dies ebenso. Faszinierend ist die Menge am Plöckenpass, ehe die Station den Geist aufgibt. Ob die Menge stimmt, kann man nicht sagen, aber rund 560 mm sind einfach unglaublich. Man möchte sich vorstellen, was da am Sonntag noch dazugekommen wäre… ich bin jedenfalls skeptisch.

              


      Osttirol – Lienz und Nordwestkärnten L, M
      Lienz 659 m (L), Bezirkshauptstadt Osttirols, mit gut 300 mm ähnlich stark wie Sillian, einiges an Schnee, aber auch viel Regen bei teils bis zu +6°C in der Nacht auf Sonntag. Daher immens schwerer Nassschnee, wie man auf dem Bild unten schon am Samstag sehen kann. In Heiligenblut 1996 m (M), östlich vom Großglockner gut 180cm Neuschnee innerhalb 48h. In der Nacht auf Sonntag nur noch knapp negative Temperatur, Annahme von Regen/nasser Schnee bis nahe 1900 m daher wahrscheinlich richtig.

       

      Ende der Stationsgrafiken   –  nun zum einfacheren Abschluss einige Bilder aus Innsbruck/Umgebung und Osttirol



      Sonnenaufgang Freitag 7:40MEZ Innsbruck nach Osten mit sensationell beleuchteten Lentikularis [https://www.foto-webcam.eu/webcam/innsbruck-uni/]

      Testen der Windlage gegen Freitagmittag am südlichen Gipfelrand gegen den Wind mit Blick Richtung Südsüdwesten zum Brenner hin, wegen naher Föhnmauer nicht erkennbar.

      Freitag 4.12.20 gegen 12:30UTC, Handmessung nahe der Windstation der TAWES mit 156 kmh und automatisch berechneten Windchill von -23.2°C. Der Windmesser ist ein Skywatch Meteos, der Rotor ist leider der windbedingt schlechten Kameraführung abgeschnitten 😉 dafür ist noch ein Stück vom Radom des Radars im Hintergrund erkennbar.


      Hauptplatz in Lienz/Osttirol nach den ersten Schneefällen am Samstagvormittag gegen 11:33 MEZ. Die Hütten werden gerade abegräumt und die Bäume im Hintergrund dehnen sich deutlcih nach unten unter der aufgelegten Schneelast [https://www.bergfex.at/sommer/lienzer-dolomiten/webcams/c5960/]

       


      Ebenfalls viel Schnee gabs im Kühtai genauer in Praxmar im Lüsener Tal, zumindest laut einem Facebookpost des dorten Gasthauses.

      Die nun folgenden Bilder stammen von Maik Brakemeier aus dem Virgental, genauer Prägraten, südlich vom Großvenediger. Vielen herzlichen Dank nochmals dafür. Die nahegelegene Wetterstation ist unter folgendem Link einsehbar – herzlichen Dank an dieser Stelle an Reinhard Unterwurzacher:  https://wetter.unterwurzacher.at/meteo/indexDesktop.php

           
           
           

      Nochmal zurück zu Innsbruck, ein vorher nachher Bild 😉 und es wird sicher nicht der letzte Schnee sein, leider zum leidwesen aller, die nicht in den Alpen leben

      Seegrube vor (Freitag 15MEZ) und nach dem Schneefall (Montag 8:40MEZ) [https://www.foto-webcam.eu/webcam/innsbruck/]
      Links zudem mit diffuser und naher Föhnmauer, rechts verschneite Lawinenverbauungen über Hochnebel, weiterhin Staubewölkung im Süden

       

      • This topic was modified 1 year, 6 months ago by Bibertaler.
      • This topic was modified 1 year, 6 months ago by Bibertaler. Reason: Letzte Bilder eingefügt, Beitrag ist hiermit abgeschlossen
      • This topic was modified 1 year, 6 months ago by Bibertaler. Reason: Noch drei Youtubelinks aus Osttirol hinzugefügt
    • #15845
      Kaltlufttropfen
      Participant

      Vielen Dank für deinen klasse Rückblick!

      Zum Gegenstück hatte am gestrigen Nikolaustag das ostsächsische oder auch niederschlesische Görlitz fast schon altweibersommertaugliche 15°C erreicht…

      Auch Berlin war “pi8warm” und nach meiner schönen Samstags-Prognose landete ich am Sonntag so ganz unten  und beide Tage zusammen ergaben einen dürftigen Platz auf Rang 42…

      Gruß in die Runde

      Michael

    • #15850

      Lieber Bibertaler,

      vielen herzlichen Dank für diesen umfangreichen Bericht,

      der jedes Synoptikerherz höher schlagen lässt.

      Sven

       

    • #15852
      Schneehäuschen
      Moderator

      Herausragender Bericht, vielen lieben Dank dafür!

      Beste Grüße, Robert

    • #15853
      Pfingstochse
      Participant

      Auch von mir ein herzliches Dankeschön für diesen tollen und umfangreichen Bericht!!!

      Beste Grüße….Ralf aus Teltow

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