Martini-WB zum WE vom 08.11.-10.11.2019

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    • #14249
      Snab_LE
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      Hallo zusammen,

      Nachdem der Oktober in seiner Mitte nochmal auf Sommer gemacht und trotz erster Wintergrüße am Ende des Monats noch mit +1,8K zum Mittel 1961-90 abgeschlossen hatte, ist inzwischen schon der 11. Monat des Jahres angebrochen. Zeit also, um schon mal im Dachgeschoss den Weihnachtsschmuck zu entstauben, den ersten Glühwein zu genießen oder als Stadt Leipzig das Bäumchen auf den Markt zu stellen. Das Wetter jedenfalls versucht sich schon ein wenig in Weihnachtsstimmung zu bringen, auch wenn dazu freilich noch die Kraft fehlt. Teile der Alpen haben aber in den vergangenen Tagen ein gutes Stück Winter erleben können und aktuell muss man von der Turnierstadt Zürich auch nur mit der Ütlibergbahn ein paar Meter fahren, um den ersten, vielzitierten “Wintereinbruch” des Jahres zu erleben: https://uetliberg.roundshot.com


      Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/sat/europa/satellit-hd-5min/20191108-1120z.html

      Schuld an der ganzen Sache ist eine recht komplexe Wetterlage, die sich aus einem hochreichenden Trog über Westeuropa ergibt. Dieser weist eine leicht negativ geneigte Achse von der Norwegischen Atlantikküste bis nach England auf, um dann etwas positiver bis nach Algerien zu reichen. Im Bodenniveau finden sich im aktuellen Satellitenfilm dazu eine ganze Menge abgeschlossener Tiefdruckzentren, die alle gemeinsam auf den Namen CARLETTO getauft wurden: Da wäre zum einen ein nur noch sehr flaches Tief über der Nordsee (Nr. II, man achte da auch auf die wunderschöne Konvergenzlinie im “Warmsektor”) und ein nicht minder schöner Kern über dem südwestlichen Frankreich (Nr. I). Auf der Rückseite beider Tiefs strömt polare Meereskaltluft weit nach Süden und amplifiziert den Trog weiter. Vorderseitig findet dagegen der 3. Carletto gerade ganz praktische Entwicklungsbedingungen im Lee der Alpen. Dort sorgt neben WLA und der Drehimpulserhaltung bei adiabatischer Streckung auch ein sehr flotter Randtrog für den gewissen Kick auf dem Weg zum Leetief. Da sich auf der Westseite des Tiefs dadurch eine Gegenstromlage ausgebildet hat, kommt es zu den recht intensiven Niederschlägen mit Schneeanteilen in den mittleren Lagen. Zwischen Wien und Linz sitzt man dagegen aktuell im besten Alpenlee.


      Quelle: MIUB

      Der 3. Carletto wird uns auch noch bis in den ersten Turniertag hinein beschäftigen. Absinken hinter dem o.e. Randtrog verlagert den Kern mehr und mehr nach Norden, sodass er schon morgen früh über Ostdeutschland liegen wird. Dabei kann man entlang des Tiefs mehrere Hebungszonen ausmachen: Vorderseitig des Randtroges kommt es über der Mitte Deutschlands zu mehrstündigen Regen- und Schneefällen (oberhalb 800m), die aber schon der ersten Nachthälfte nach Norden abziehen. Auf der Rückseite des Tiefs wird anschließend feuchte Nordseeluft advehiert, die höhertroposphärisch aber zunehmend Absinkprozessen unterliegt. Im Luv der Mittelgebirge wird aus dieser feuchten Nordseeluft aber morgen Vormittag über Leipzig und Berlin noch etwas Regen oder Sprühregen ausgepresst (5er WWs in der Prognose sprechen eindeutig für die fortgeschrittene Jahreszeit 😉 ). Wie schnell die Suppe im Tagesverlauf nach Norden abzieht, wird von den Kurzfristprognosen unterschiedlichen gesehen, in Leipzig sind die Chancen auf ein Wn=0 aber höher als in Berlin. Viele Wolkenlücken wird es auf jeden Fall nicht geben. Etwas besser sieht das schon in Zürich aus, wobei auch hier am Vormittag schwacher Stau und etwas Labilität im Trog für einen kurzen Schauer sorgen könnte.

      Interessanter sieht mir der Vormittag für die Ostalpen aus. Schon im Laufe der Nacht passiert ein weiterer Randtrog die Alpen und lässt dort Niederschläge aufkommen. Mit zunehmender Entfernung des Leetiefs setzt auf der Rückseite bodennah Nordstau ein, während in der Höhe weiterhin Warmluft aufgleitet und in den Morgenstunden des Samstages im linken Auszug eines mitteltroposphärischen Jets die Hebung maximiert wird. Die Folge sind kräftige Niederschläge im Salzburger Land und Oberösterreich (SFG teils unter 500m ü.NN), von denen Innsbruck und Wien allerdings nur gestreift werden. Dennoch sind für beide Städte 6er Wv sehr wahrscheinlich und auch über Wns kann man in beiden Städten noch diskutieren. Wien hat als einzige Turnierstadt mit einem kurzen Warmlufteinschub am Morgen Chancen auf zweistellige Tx, sonst liegen sie in der Kaltluft bei 7-8°C.

      Für den Sonntag müssen wir nochmal etwas zurück schauen. Schon heute hat sich auf dem Atlantik der nächste Schwall Kaltluft gen Europa gemacht. Der zugegörige Trog ist dabei stark positiv geneigt, was an der Vorderseite intensive Entwicklungen etwas schwierig gestaltet. Dennoch kann sich aus der Okklusion des Atlantiksturmtiefs DETLEF im Lee Irlands ein neuer Tiefdruckkern entwickeln, der sich im Verlauf dank weiterer PVA, aber nur geringer KLA etwas vertieft und nach Frankreich zieht. Auf der Vorderseite führt WLA in der Nacht zum Sonntag einen kleinen Zwischenkeil nach Deutschland. Weiterhin wird dem Trog durch einen zweiten, progressiven Keil auf dem Atlantik der Saft abgeschürt, was diesen im Laufe des Sonntagvormittages über Frankreich abtropfen lässt. Das führt zu einer ziemlich indifferenten, aber leicht antizyklonalen Gesamtsituation über Mitteleuropa. So kommt es unter ganztägigem Druckanstieg zur Ausbildung eines Druckmaximums über der Mitte Deutschlands.


      Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/modellkarten/german/f078fef18aa569992bbdfb6da28342be/temperatur-850hpa/20191110-0600z.html

      Restfeuchte und Gradientabschwächung können zwischen Zürich und Berlin für einen 4er Start in den Sonntag sorgen. Außer in Wien liegen die Tns dabei um oder knapp unter dem Gefrierpunkt. Anschließend kommt es vielerorts zur Wolkenauflösung, wobei man im November wohl nicht überall von schnellem Aufklaren ausgehen kann. Dementsprechend weit ist das Spektrum möglicher Bedeckungsgrade in Leipzig und Berlin. Über Wien machen Cs und As die Sache schon etwas einfacher und Zürich sind recht viele Wolken präsent. Nicht einfach wird außerdem die Prognose der Windrichtung in Leipzig und Berlin, welche 12UTC im Druckmaximum liegen sollen. Für Wien haben die EZ-angetriebenen MOSse noch 6en im Angebot, sie stehen mit der intensiven Tiefentwicklung auf der Trogvorderseite aber alleine da. Bei zeitweisen Sonnenschein gibt es in kühler Meeresluft 8°C in Berlin, Leipzig, Innsbruck, nur 5°C in Zürich und ein Fragezeichen mit 5-8°C in Wien (hier auch den Blick auf die Fx nicht vergessen!)


      Quelle: http://www.wetterzentrale.de

      Zum Start in die neue Woche steht dann der Martinstag oder nach jüngerer Tradition der Auftakt in die 5. Jahreszeit an. Und weil der Hochdruck erst am Dienstag neuen Atlantikfronten Platz machen muss, heißt es dann “<span style=”color: #141412; font-family: ‘Source Sans Pro’, Helvetica, sans-serif;”>Sankt Martin Sonnenschein, tritt ein kalter Winter ein</span>“. Zeit also für Weihnachtsschmuck und Glühwein? Schaun mer mal.

      Viele Grüße aus dem Tauwetter Helsinkis (hier gabs tatsächlich schon einen Wintereinbruch) und viel Erfolg allen Mitspielern,

      Oscar

       

      • This topic was modified 2 years, 9 months ago by Snab_LE.
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    • #14252

      Hallo Oscar,

      danke für Deine umfangreiche alle Turnierstädte abdeckende WB.

      Vb-Lage – wann hatten wir die zuletzt ?

      2 dicke Fragezeichen aus meiner Sicht in Berlin 24h RR am Sa,  dd am So.

      2 dicke Fragezeichen (für mich) in Berlin u. Zürich am So. wegen N u. Sd.

      Grüße aus dem Hochschwarzwald in die finnische Hauptstadt

      Bei uns ist es oberhalb 1000 Meter angezuckert.

      Sven

    • #14253
      Kaltlufttropfen
      Participant

      Auch von mir vielen Dank für die herausragende WB!
      Hatte heute leider keine Zeit zum Tippen, aber kommenden
      Freitag klappt das wieder.
      Übrigens die letzte Vb-Lage sollte am 09.09. gewesen sein…

      Schöne Grüße von der Fww Saarbrücken

      Michael

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