Reply To: Letzter Winterspieltag

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#18956
Bibertaler
Moderator

Servus zusammen,

es ist schon erstaunlich, dass mal ein Wintereinbruch für dermaßen Verwunderung sorgt. Klar, am Brenner hat’s 50 cm (Tendenz steigend) in kurzer Zeit runter gelassen, im Inntal schneits seit den Morgenstunden munter durch bei Werten meist um 0 Grad, aber es ist nunmal auch noch Februar, auch wenn einem die letzten Wochen eher vorgegaukelt hatten, es sei schon Ende März 😉 Nun steht der Verkehr auf einer der wichtigsten Verkehrsachsen durch die Alpen still, weil man nicht vorausschauend fahren kann, keinen Tag warten kann und, weil man ja noch schnell über den Brenner muss, dann auch noch die letzten Lücken für die Räumfahrzeuge zufährt… Man kann gar nicht so viel essen, wie man ko…

Genug des Auskotzens und rein in die Freude – ES SCHNEIT!!! Und was war das für ein spannender Wetterwechsel, wie Georg schon angedeutet hat. Gestern föhnte es noch kräftig in der Stadt mit bis zu 90 km/h, am Abend knapp über 140 km/h aufm Kofel, dessen Bahn aufgrund des doch so seltenen Naturspektakels Südföhn mal wieder den Betrieb einstellen musste. Von den Absolutzahlen können diese nicht ganz mit den Werten rund um die Nordseeküste durch Tief WENCKE mithalten, aber für einen präfrontalen Südföhn finde ich die Geschwindigkeiten durchaus lobenswert. Oben am Gipfel war es dabei frostig mit -3 bis -2 Grad (vor einer Woche waren es hier noch +6 Grad). Und von dieser Höhe heruntergemischt kommen wir etwa auf die 13 bis 14 Grad, die gestern an der Unistation gemessen wurde. Also alles wie an der Uni gelernt und für den bisherigen Februarverlauf nichts ungewöhnliches, waren die Höchstwerte zumindest am Flughafen nur an 4 Tagen unter 10 Grad (der Letzte Eistag war hier übrigens am 10.01.).


LIDAR an der Uni Innsbruck, oben die Windverhältnisse in der Stadt, unten die Reflektivität [ertel2.uibk.ac.at]

Der Föhn setzte schon am Donnerstagvormittag ein und das milde Wetter zog die Leute raus in die Cafés, wo die Servietten sofort Flugstunden abhielten. Bis zum Abend blies der Föhn munter durch, bis kurz vor Mitternacht das erste Abheben eingeläutet wurde. Wirklich ausgeräumt wurde die Föhnluft in der Stadt aber erst gegen 1 UTC, als der Wind auf West drehte. Ab diesem Zeitpunkt floss die Kaltluft aus Westen ein und der Niederschlag fiel in die zunächst noch trockene Luft. Ab 5 UTC kam der Regen dann in der Talsohle an bei rund 5 Grad. Zwischen 6 und 7 UTC machte sich die Niederschlagsabkühlung weiter bemerkbar und der zuvor mäßige Regen ging in nasse Flocken über. In diesem Zeitraum sieht man die Schneefallgrenze klar in der Reflektiviät unter dem Lidar an der Uni absinken, sodass man spätestens gegen 5 UTC schon die Minuten absehen konnte. Die ganze Situation wurde dann noch dadurch begünstigt, dass nicht einfach nur die Kaltfront durchzog (dann wäre einfach nur Regen gefallen und, sobald die Kaltluft da ist, hört dieser gleich wieder auf), durch die Genuatiefentwicklung kam es in den Tiroler Bergen zu Aufgleiten. Es gibt quasi kaum etwas Schöneres, wenn man viel Schnee mag: erst kalte Luft, und dann direkt Aufleiten aus Süden. Wenn wir jetzt schon Minusgrade gehabt hätten, wäre das ein Pulververgnügen in der Stadt…naja, aber immerhin schneit’s 😉


Tagesverlauf vom LOWI – nach mildem Föhnwetter kühler Spätwinter  [lawis,at]

Ab 9 UTC war dann endlich die 0Grad-Grenze erreicht, an der wird seitdem dem Flockentreiben bewundern können. Lange Zeit war es auch herrlicher Toastbrotschneefall, durch dessen Sichteinschränkungen auch Flugzeugen zum Durchstarten gezwungen wurden. Einen Flieger aus Londen habe ich persönlich aus dem Fenster gesehen; wie er viel zu früh viel zu tief die Schnauze hochzog, um nicht im Windmast auf dem Unigebäude hängen zu bleiben. Es war sicher noch genug Platz, aber der Frust muss tief gesessen haben. Erst drei Schleifen überm Unterland zu drehen und dann doch nach München umdrehen zu müssen. Die Maschine aus den Niederlanden 50 Minuten später hat dafür direkt auf den ersten Versuch die Landebahn getroffen. Genug des Abschweifens, nach gut 30 mm Niederschlag, längere Zeit um 0 Grad, warmem Boden und schwachem Wind sind in der Tiroler Landeshauptstadt rund 4-5 cm Neuschnee zu verzeichnen – ihr könnt euch denken, wie schwer und nass diese damit sein muss.

Viele Grüße aus dem (gerade noch rechtzeitig erreichten) Winterwunderland
Bibertaler