Reply To: 2. Spieltag im Februar 2024

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Bibertaler
Moderator

Servus zusammen,

18,19 Grad am Alpenrand in der morgigen Vorhersage, der 30. wird beim Skislalom wegen der unwinterlichen Pistenbedingungen erster, in Spanien braucht man zum Hafen fast schon eine Gondel, während andernorts der Ball am Eckigen vorbeischwimmt – kurz zusammengefasst: ich glaub, es hakt. Genau diesen Satz hatte ich mir innerlich letzten Freitag auch gesagt, als mir im Eifer des Gefechts die Tippuhrzeit verstrichen ist. Damit das dieses Mal nicht passiert, gibt’s heute mal wieder eine WB von mir, auch für mich als Erinnerung. Die Jahreszeit ist für mich zwar schon jetzt nicht nur wettertechnisch erledigt, aber den Kopf in den nicht vorhandenen Schnee zu stecken ist auch keine Lösung…oder kommt da vielleicht doch noch was? In diesem Sinne herzlich Willkommen zum Start ins WWW – WetterWechselWochenende.


Bodendruckvorhersage für Samstagmittag [wetterpate.de, FUBerlin, DWD]

 

Die Wetterlage ist eigentlich eine recht unwinterliche. Hochdruckgebiete, die für ordentlich Kälte verantwortlich wären finden sich, mittlerweile zumindest, über Russland und Nordskandinavien. Letzteres war ja für uns bisher immer recht brauchbar für Wintereinbrüche. Aber sonst sieht es mau aus: Tiefer Luftdruck über weiten Teilen West- und Mitteleuropas mit Zentrum über den Britischen Inseln, von den Berliner BeobachterInnen Paulina getauft aber international als Karlotta tituliert – falls da jemand mehr weiß, wer da was zu welchem Gunsten benennt, dann immer her damit – sorgt in DACH zunächst für eine Südwestanströmung, die einerseits die Luftmassengrenze über Norddeutschland inklusive der Kaltluft mit einer Warmfront zurück nach Norden treibt und andererseits im Alpenraum wieder den Föhn ins Spiel bringt. Ein weiteres, für uns interessantes Tief liegt heute noch über Spanien und hört auf den Namen Quinta. Dieses Tief kommt weiter nach Südosten voran und verschiebt die Südwestanströmung am Samstag erst auf Süd und am Sonntag, sobald es über Italien abtropft, auf Südost. Dabei bricht der dadurch bedingte Föhn zusammen und auch auf der Alpennordseite setzen endlich mal wieder Niederschläge ein.


GFS-Geopotential auf 300 hPa mit Isotachen für Freitag-Montag jeweils gegen 6UTC, Jet weit südlich von uns mit zunächst Südwestströmung über DACH und abtropfendem Tief über Italien zum Sonntag hin [ertel2.uibk.ac.at, ACINN]

Bis dahin verläuft der Samstag trocken mit zeitweiligem Sonnenschein, mit föhntypischer Bewölkung entlang des Hauptkammes und auch nördlich davon. Die Temperatur wird nicht ganz so hoch sein wie direkt am Nordalpenrand, weil wir ja genau genommen in Innsbruck eher einen Gap-Wind haben und daher die Luft von etwas weiter unten runtergemischt wird. Weit über 15 Grad sollte man aber schon einplanen. Vom Wind her wird sich je nach Zeitpunkt vorföhniger West oder Südföhn an der Uni deutlich spürbar bemerkbar machen. Schon in der Nacht zum Samstag geht die Temperatur mit vorföhnig West nicht allzu weit nach unten. Vor allem sollte die Abkühlung bei diesem Gradienten erst sehr spät in der Nacht erfolgen. In der Nacht zum Sonntag sieht es anfangs ähnlich aus. Nur deuten hier etwas mehr Wolken die sich nähernde Kaltfront an. Am Sonntagmorgen rauscht diese dann in die Alpen und lässt auf den Föhn Regen, ab knapp über 1000 m auch Schnee folgen. Leider passiert das recht schnell, mit Absinken über der Nordkette haben die MOSe folgerichtig nicht viel Niederschlag eingeplant. Mit der Kaltfront zeigt dann das Quecksilber im Thermometer nur noch meist einstellige Werte an, das Maximumthermometer sollte aber die 10-Grad-Latte zumindest wackeln lassen. Immerhin liegen wir dann wieder näher am Mittel als das, was wir bisher erlebt haben. Beide Tage haben so ihr spannendes, auch wenn es nichts mit Schnee bis ins Inntal werden wird.

 


Druckgradient zwischen Bozen und Innsbruck. Bei über 4hPa höherem Druck in Bozen ist Föhn bis Innsbruck recht wahrscheinlich [profiwetter.ch]

Ausblick
Nachdem wir an diesem Wochenende nun schon alles hatte, was kommt dann in den nächsten Wochen. Das mangels Dachse herausgezerrte Murmele wollte ja letzten Freitag einen frühen Frühling sehen. Wenn man sich die Ensembles mal ansieht, besteht noch ein Restfunken Hoffnung, der aber leider nicht sehr hell ist. Fürs ECMWF sieht man für Innsbruck nach dem Föhnknick zum Sonntag, dass sich direkt wieder milde Luft ausbreitet, ehe zum 17./18. Februar wieder unterdurchschnittliche Temperaturen eintreffen. Nach gut 24 Stunden hat sich auch das schon wieder erledigt bei (leider) steigender Tendenz. Auch stabile Hochdrucklagen im Alpenraum lassen sich bei den unten in der Grafik eingebetteten Niederschlagsausschlägen schwer vorstellen.


ECMWF-Ensemble mit Temperatur auf 850 hPa und Niederschlag für Innsbruck von gestern noch, damit die aktuelle milde Luft besser auffällt…und der Kontrolllauf am 19.02. deutlich unterdurchschnittlich bleibt. Beim neueren Lauf ist es weniger stark ausgeprägt, aber etwas länger [wetterzentrale.de]

Werfen wir einmal einen Blick in die ECMWF Temperaturanomalien. In der Woche vom 18. Februar erschienen gestern noch weite Bereiche Mitteleuropas in weißen Farbtönen und damit eher normal warm für Februar. Schon die Woche darauf zeigt schon wieder wärmer Farben, besonders nördlich der Alpen. Die Verteilung röche schon nach Südwestlage mit Föhn, was allenfalls für winterliche Szenarien in den Südalpen von Vorteil wäre. Schon heute sind die neuen Karten davon in ganz DACH wieder mit zu warmen Abweichungen, daher zeige ich euch nur die von gestern. Wir werden es ja eh bald sehen. Selbst wenn es der Februar heuer nicht richtet, kann der März ja noch wettmachen und für alles Weitere heißt es ja nicht umsonst „Weihnachten im Klee, Ostern im Schnee“ 😉


ECMWF wöchentliche Temperaturanomalie für links 19.02.-26.02. und rechts 26.02-04.03. Wer die aktuelleren (leider wieder milderen) Grafiken anschauen möchte, kann das gerne unter ECMWFCharts machen

Und damit wünsch ich euch ein gutes Händle beim Tippen, ein schönes Wochenende, vergesst nicht eure dreimal je ein Kreuz (ihr wisst ja, normalerweise hat jeder nur ein Kreuz 😉 ) und abschließend noch ein Helau und alaaf an alle Karnevalsjecken und Fasnetsnarren.

Viele Grüße vom Main, wobei der Text in einem ICE hinter einer S-Bahn mit ausgelöstem Brandmelder geschrieben wurde

Bibertaler